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  • Weihnachtszeit

    Ein anderes sehr spannendes Thema war die Vorweihnachtszeit hier. Weil wir von der Vorweihnachtsstimmung anfangs nicht so viel gespürt haben, denn es gibt hier weder Adventskalender für die Kinder noch einen typischen Adventskranz, beschlossen meine Mitfreiwillige und ich unsere Küche mit einer Lichterkette und einem -schnief- Plastikbaum zu verzieren. Irgendwann habe ich dann doch noch herausgefunden, dass es in unserer Kirche eine „Adventskrone“ mit 5 Kerzen gab, wobei die fünfte Kerze für Heiligabend ist. Schließlich wurde auch die „Plaza“, der Hauptplatz von Potosí, natürlich dem Beispiel unserer Küche folgend 😉 ganz bunt mit Lichtern geschmückt. Außerdem wurden jeden Abend heiße Schokolade und „Buñuelos“, ein spezielles, frittiertes Gebäck, typisch für die Weihnachtszeit, verkauft. Wenigstens ein kleiner Ersatz für die deutschen Weihnachtsmärkte mit Glühwein und Co. Die Feste St. Martin und Hl. Nikolaus werden hier leider nicht gefeiert. Die aufregendste Feier der Vorweihnachtszeit war für mich persönlich der „Día del niño Jésus“ (Tag des Kindes Jesus). Wir hatten wieder einmal das Glück im Kindergarten, in der Primaria und in der Secundaria zu feiern. Hier gibt es für die Weihnachtszeit einen ganz speziellen Tanz, bei dem immer zu zweit in einer langen Reihe auf eine aufwändig geschmückte Grippe mit dem Jesuskindlein zu getanzt wird. Zu trinken gab es „wie immer“ heiße Schokolade und zu essen Buñuelos. Als wir dann abends noch mit den Lehrern feierten, gab es zusätzlich auch noch Schnaps, eine leckere Suppe mit Schweine- und Hühnerfleisch, Mais, Kartoffeln und Gemüse und Wolldecken sehr aufwändig als Geschenke verpackt. Es war ein unvergesslicher Abend!

    Am 7. Dezember begannen dann die Weihnachtsferien. Allerdings hatten wir noch nicht komplett frei, da wir bei einer Versammlung der Lehrer, die auch für die Kollegschafft sehr zäh war, beiwohnen sollten. An einem anderen morgen bereiteten wir Geschenktaschen vor, die die Lehrer dann am Nachmittag abholen kamen. Ich staunte über die Mengen, die die Lehrer geschenkt bekamen. Jede Tasche wurde mit Keksen, Schokokuchen, Aprikosendosen, gesüßter und ungesüßter Kondensmilch, Sekt, Bonbons, Karamellbonbons, Trinkschokolade, einer Art Schokopralinen, Kakaopulver, Kaffeepulver und einem Bettbezug befüllt. Insgesamt befand sich in jeder Tasche ein Wert von knapp 300 Bolivianos.

    An Weihnachten besuchten wir dann abends den Gottesdienst, in dem das Krippenspiel aufgeführt, gesungen und wieder getanzt wurde. Fast jede Familie brachte ihre Krippenfiguren mit, um sie am Ende segnen zu lassen. Interessant fand ich, dass hier wie in Deutschland zum Abschluss „Stille Nacht“ bzw. „Noche de Paz“ gesungen wurde. Nach der Messe gingen wir mit den Schwestern mit und aßen wieder Buñuelos und tranken heiße Schokolade. Weil es hier so Tradition ist bis Mitternacht zu warten, füllten Chantal & ich die Zwischenzeit mit Gesang und Geigenspiel. Als Mitternacht dann gekommen war, stießen wir an und überreichten den Schwestern unsere Geschenke. Da diese sich dann jedoch ziemlich schnell in ihre Zimmer zurückziehen wollten, gingen wir in unsere Küche und tauschten dann unter unserem Plastikbaum im Lichterglanz noch Geschenke aus.
    Der Vormittag vom 25. verbrachten wir damit, den Schwestern beim Kochen zu helfen. Fast zu jedem Fest gibt es hier ein spezielles Gericht. Danach gingen wir wieder in die Messe, welche auch heute wieder von Musik und Tanz bereichert wurde. Nach dem Festmahl mit den Schwestern ließen wir Weihnachten ohne weitere Festivitäten gemütlich ausklingen, denn einen 2. Weihnachtsfeiertag gibt es hier gar nicht.

    Die restlichen Ferien nutzte ich ausgiebig, um zu reisen, damit ich auch noch andere Teile Boliviens kennenlernen konnte. Außerdem kam auch der ein oder andere nach Potosí zu Besuch, worüber ich mich sehr freute.

  • Abiturfeiern

    Am 8. Dezember war dann der Tag der Abiturfeier gekommen und begann mit einer feierlichen Messe. Die musikalische
    Gestaltung dieses Gottesdienstes übernahmen die Abiturientinnen selbst. Danach kam der offizielle Teil im „Coliseo“, also der Sporthalle der Schule. Nach den Hymnen der Schule, der Stadt und des Landes folgte eine lange Rede des Direktors. Mit einer musikalischen Einlage konnten auch Chantal und ich bei diesem festlichen Akt mitwirken. Im
    Anschluss wurden die besten Schülerinnen geehrt und danach holte jede Schülerin einzeln ihr Zeugnis ab und schoss ein Erinnerungsfoto mit einem Elternteil, meistens dem Vater. Nach diesem offiziellen Teil gingen die Schülerinnen nachhause und feierten mit Familie und Freunden. Auch wir hatten die Ehre einigen „Promociónes“, was mit Abiturfeiern übersetzt werden
    kann, beizuwohnen. Die Einladungen waren zumeist aus wunderschönem Papier sehr aufwendig angefertigt worden. Allerdings darf man auf kein en Fall die Uhrzeit in den Einladungen ernst nehmen! Wenn zum Beispiel 18 Uhr in der Einladung geschrieben steht, beginnt das Fest auf keinen Fall vor 20 oder sogar eher 21 Uhr. Der Ablauf war eigentlich immer gleich. Zunächst wurde der Absolventin ein Geschenk in die Hand gedrückt oder ein Geldschein an die Jacke geheftet, sodass einige am Ende des Tages richtige Bänder aus Geld herunterhängen hatten. Natürlich durfte auch eine ordentliche Portion Konfetti in die Haare nicht fehlen. Dann wurde Sekt ausgeschenkt (der Rand der Gläser immer hübsch mit Kokosnussflocken verziert) und die Familienmitglieder hielten teilweise rührende Reden voller
    Glückwünsche und Lebensweisheiten. Das typische Essen bei den Promos war „Chancho“, also Schweinefleisch mit Kartoffel, Mais, Salat, gebratenem Gemüse und auch manchmal Kochbananen. Auch die Bedeutung dieses Essens haben wir uns erklären lassen. Weil Schweine anscheinend immer mit dem Kopf nach vorne nicken und sie somit eine Vorwärtsbewegung beschreiben, soll das ein Symbol dafür sein, dass die Abiturienten nach vorne in eine hoffentlich gute Zukunft blicken sollen. Nach einer wirklich riesigen Portion von diesem köstlichen Gericht, möchten hinterher natürlich einige das Tanzbein schwingen und bekommen dazu auch gut die Gelegenheit dazu. Die Lieder, die wir auf den Promotionen
    gehört haben, waren alle recht schnell und rhythmisch, also erstklassig für die Verdauung. Die Gäste, die es länger ausgehalten haben, bekamen dann noch ein Stück von oft wunderschön verzierten, riesigen Sahnetorten. Allerdings kann ich aus eigener Erfahrung sagen, dass zu viele Abiturfeiern zu dicht hintereinander echt anstrengend für den ständig gut gefüllten Magen sein können. So, das waren jetzt hoffentlich genug Eindrücke von den Promotionen hier.

  • Schuljahresende

    Zum Ende dieses Schuljahres war hier doch Einiges geboten. Zum Beispiel wurden typische Tänze
    für die „festivales de la música“ vorbereitet. Es sollte vielleicht noch erwähnt werden, dass es drei
    verschiedene dieser Veranstaltungen gab, nämlich eine vom Kindergarten, eine von der Primaria und eine
    von der Secundaria. Mit den Kindern vom Kindergarten tanzten wir auf „Soy una taza“ (Ich bin eine Tasse),
    „Crocodilo Dante“ (Krokodil Dante) und andere nette Kinderlieder. Die Primaria führte neben ein paar traditionellen Tänzen auch das Musical „Jesus Christ Superstar“ auf. Allerdings muss ich leider dazusagen, dass mich die Kulisse
    und die Kostüme mehr begeistert haben, als die Choreographie und vor allem der Gesang der Schülerinnen. Ich freue mich
    doch tatsächlich, wenn ich wieder deutsche Chöre, die die Töne treffen, hören kann. Beim „festival de la música“ der Secundaria bekam ich sogar die Möglichkeit selbst bei einer Klasse mitzutanzen. Wir studierten einige Tanzschritte des Rock n Rolls ein. Spannend fand ich auch, dass die „Prominenz der Schule“, also die verantwortliche Schwester, die Direktoren und witzigerweise meine Mitfreiwillige Chantal und ich einen großen zentralen Ehrentisch bekamen. Von fast jeder Tanzgruppe wurden wir
    reichlich mit mühevoll vorbereitetem Essen beschenkt. Doch weil es mit der Zeit echt zu viel wurde, gaben wir mindestens die Hälfte davon an die Umstehenden weiter. Das soll jetzt also
    ein kleiner Eindruck vom musikalischen Jahresabschluss sein. Daneben gab es auch immer wieder Ausstellungen von „artes plásticas“, also vom Kunstunterricht. Die Schülerinnen lernen in diesem Fach nicht nur Malen und Zeichnen, sondern auch Nähen, Häkeln, Stricken, Kochen und Backen. Die Ergebnisse sind teilweise echt atemberaubend. Immer wieder wurde mir bewusst, wie wenig Wert in meiner Schule in Deutschland auf diese handwerklichen Tätigkeiten gelegt wurde. Im Gegenzug sind aber zum Beispiel die Englischkenntnisse der Schülerinnen eher zu bedauern. Aber daran sieht man eben auch wieder gut, dass Deutschland und Bolivien eben zwei
    verschiedene Länder sind. Ich kann mich nur glücklich schätzen, dass ich die Möglichkeit habe, beide kennenzulernen und meine Erkenntnisse zu teilen, um falsche Vorurteile zu reduzieren. Aber zurück zum Thema. Ebenfalls fand ich es sehr interessant, dass hier am Ende des Schuljahres die Direktorin der Primaria die Hefte aller Schülerinnen auf Vollständigkeit überprüft. Das löste in der letzten Woche im Kindergarten zwar weniger bei den Mädchen, sondern eher bei den Lehrern ziemlichen Stress aus, denn einige Schülerinnen hatten noch einen ganzen Haufen nachzuarbeiten. Zum Abschied feierten und spielten wir einen ganzen Nachmittag mit Clowns, Süßigkeiten und Geschenken, leckerer Torte und heißer Schokolade. Zu diesem Anlass trugen die Kindergartenkinder sogar Prinzessinnenkleider und aufwändige Frisuren. 

  • Am Strand von Iquique

  • Strandurlaub in Chile

    Ein anderes hochspannendes Erlebnis war der Strandurlaub in Chile mit den Lehrern der Primaria. Unterm Schuljahr hatten einige Lehrer in den Pausen Gelatine, „Reienos“ (gefüllte Kartoffelteile) und andere Leckereien in den Pausen verkauft. Das Geld, das sie dabei erwirtschaftet haben, nutzten sie nun um 5 Tage unter der Schulzeit in den Urlaub zu fahren. Am Abend des 7.11. stiegen wir in Potosí in den Reisebus und fuhren die Nacht und den ganzen Vormittag über Oruro und la Paz nach Arica. Die Grenzkontrollen waren sehr streng und hatten Flughafenverhältnisse. Weil in Chile eine andere Währung verwendet wurde, mussten wir Geld wechseln. Als wir dann endlich in Arica ankamen, machten wir uns zu Fuß mit unseren Rücksäcken und Koffern auf die Suche nach einem Hotel, denn im Voraus gebucht hatte niemand. Ein freundlicher Mann kam uns zu Hilfe, sodass wir eine gute Stunde später im Hotelzimmer mit Blick aufs Meer saßen. Die Suche nach einem Restaurant gestaltete sich relativ schwierig, denn die Gruppe von über 25 Lehrern teilweise mit Kindern war nicht sehr entscheidungsfreudig und die Preise der Lokale waren für bolivianische Verhältnisse sehr hoch. Letztendlich teilte sich die Gruppe auf und traf erst im Hotel wieder zusammen. Am nächsten Tag wurden meine Mitfreiwillige Chantal und ich von der Direktorin geweckt, denn wir hatten die Zeitumstellung von einer Stunde noch nicht mitbekommen. Nach dem Frühstück ging es ins Einkaufszentrum, denn hier konnten um einiges günstiger Klamotten erstanden werden als in Potosí. Danach suchten wir extra ein Fischlokal, obwohl die meisten Lehrer gar nicht so gerne Fisch aßen. Im Anschluss gingen wir zu meiner großen Freude an den Strand. Allerdings waren Chantal und ich die Einzigen, die schwimmen konnten und ins Wasser gingen. Nachdem wir einige Stunden später im Hotel ausgecheckt hatten, suchten wir im Busterminal nach einer „Flotta“ (Reisebus), die weiter nach Iquique fuhr. Dort kamen wir nachts um halb eins an und fanden nur mit der Hilfe des Busfahrers ein Hotel. Der Folgetag war wieder mit shoppen, essen gehen und einem Strandbesuch gefüllt. Wieder teilten sich die Lehrer in verschiedene Gruppen auf, sodass wir am Nachmittag erfuhren, dass wir ausversehen zwei Busse für die Rückfahrt nach la Paz gebucht hatten. Also musste die Hälfte der Tickets wieder zurückgegeben werden. Somit teilte sich unsere Gruppe erneut auf und wir verabredeten uns für 18 Uhr im oberen Stockwerk eines großen Kaufhauses. Allerdings hatten wir unterschätzt wie groß das Kaufhaus tatsächlich war. Wir irrten über 2 Stunden zwischen den Geschäften umher, hatten aber keinerlei Chance die anderen zu finden. Also fuhren wir direkt ins Hotel zurück, packten unsere Sachen zusammen und bestiegen nach einem kleinen Abendessen den Bus. Dort verbrachten wir wieder die ganze Nacht und fast den ganzen nächsten Tag. Erneut mussten wir eine ausgiebige Grenzkontrolle über uns ergehen lassen und auf weiteren kleinen Stopps bekam ich noch einen sehr deutlichen Eindruck davon, dass wir unsere Toiletten in der Schule wirklich als luxuriös bezeichnen konnten. Abends kamen wir dann endlich wieder gesund, glücklich und müde in Potosí an.