Kategorie: Leonie

Blogbeiträge von Leonie

  • Blick auf den Schulhof

  • Alltag und Schulleben:

    1. Seit dem 3. September arbeite ich nun vormittags im Kindergarten. Erst einmal sollte erklärt werden, dass der Kindergarten hier eher mit einer Grund- bzw. Vorschule zu vergleichen ist. Außerdem sollte erwähnt werden, dass „Copacabana“ eine reine Mädchenschule ist. Die 37 Mädchen aus meiner Klasse lernen schon lesen, schreiben und einige Wörter auf Quechua, eine der indigen Sprachen, die besonders in ländlichen Regionen noch weit verbreitet sind. Ein sehr interessantes Ritual findet jeden Montagmorgen auf dem Pausenhof statt. Während die Schülerinnen in Reih und Glied die Nationalhymne Boliviens und danach die Hymne der Schule singen, werden Fahnen von Bolivien, von Potosí und von der Schule gehisst. Diese Ehre gebührt den besten Schülerinnen. Außerdem werden noch kleine Reden gehalten und es wird gebetet. Danach geht es schön geordnet in den Unterricht. In ihren weiß-blauen Schuluniformen und wunderschönen Flechtfrisuren machten die Mädchen echt Eindruck auf mich. Allerdings sind es eben doch noch Kinder, die teilweise mit allen Wassern gewaschen sind und durchaus frech sein können. Deshalb schlagen die Lehrer hier auch mal schärfere Töne an. Meine Arbeit besteht hier aus Stifte spitzen, Hefte austeilen, radieren, beim Zeichnen und Schreiben helfen und hin und wieder mal ein Kind trösten. Dazu kommt die Essensausgabe in den Pausen. Ja, hier gibt es wirklich in jeder Pause was zu futtern! Die erste Mahlzeit wird von den Eltern der Mädchen zubereitet und geht von Obstsalat über Suppe, Reis mit Kartoffeln und Gemüse bis hin zu süßer Gelatine. Meiner Meinung nach ein wahres Festmahl. Im Lehrerzimmer gibt es zum Frühstück auch immer leckere Gebäckstücke, Kaffee und Tee. Die Snacks der zweiten Pause werden immer geliefert und beinhalten Kekse, Joghurt, Muffins, Cornflakes… Nach dem Unterricht warten immer schon die Eltern vor der Türe, um ihre Schützlinge abzuholen. Wenn man aus der Schule geht, muss man sich tatsächlich durch die Massen wartender Eltern und gut beschäftigter Süßigkeitenverkäufer schlängeln.
      Nachmittags haben dann die älteren Schülerinnen Unterricht und ich arbeite entweder im Sekretariat oder bei den Schulsozialarbeiterinnen (das wechselt jede Woche). Im Sekretariat ist mittags immer ziemlich viel los, da alle Schülerinnen, die zu spät sind, ausgesperrt werden, sich im Sekreteriat melden müssen, damit ihre Namen notiert werden können und dann solange warten müssen, bis die nächste Unterrichtsstunde anfängt. Auch nachmittags wird für jede Klasse „desayuno“, was übersetzt Frühstück, aber in diesem Fall Pausenbrot heißt, ausgeteilt. Das ersetzt natürlich nicht den regelmäßigen Pausenverkauf von Gelatine, Donuts und „empanadas“, gefüllten Teigtaschen. Ich helfe beim Abzählen der gleichen angelieferten Snacks, wie am Vormittag. Ansonsten wechseln meine Aufgaben im Sekretariat. Einmal musste ich Eintrittskarten für eine Schulfeier stempeln, damit sie nicht so leicht gefälscht werden können. Ein anderes Mal half ich beim heiße Schokolade Kochen, als Vertreter der Bolivianischen Zentralbank zu Besuch waren, um einem Vortrag über Inflation zu lauschen.
      Zu den Schulsozialarbeiterinnen kommen regelmäßig Schülerinnen, Eltern und Lehrer. Die Probleme reichen von Schulschwänzen über Nicht-Im-Unterricht-Mitschreiben bis hin zu Problemen mit Drogen. Nicht selten werden hier Taschentücher verteilt. Da meine Spanischkenntnisse noch nicht ausreichen, um gute Ratschläge zu verteilen, höre ich eigentlich nur zu. Einmal durfte ich eine Schülerin in ein nahegelegenes Gesundheitszentrum begleiten. Ansonsten ist oft ein Highlight des Nachmittags das Einkaufen von Brötchen für den Tee. Sowohl im Sekretariat als auch im „trabajo social“ wird immer gegen 17 Uhr Tee getrunken und dazu Brötchen gegessen.
      Gegen 17:30 endet mein Arbeitstag dann und es warten oft noch alltägliche Aufgaben wie Eiinkaufen, Kochen und Wäschewaschen. Natürlich gibt es hierfür weder Waschmaschine noch Spülmaschine. Aber es tut auch mal gut auf diesen Luxus zu verzichten und diese Arbeiten auf traditionelle Art und Weise per Hand zu verrichten.
      Das war jetzt ein schöner Reim zum Schluss, ich sende Allen nen lieben Gruß!
  • Was alles passiert ist, seit ich Deutschland verlassen habe:

    Nach wunderschönen letzten Tagen in der heimischen Region Allgäu, die von Abschiedsfeiern mit Familie und Freunden geprägt waren, stieg ich am 14.8.2018 um kurz nach 19 Uhr, in München, in den Flieger. Nach einer anstrengenden Reise über Madrid erwartete mich am frühen Morgen in Santa Cruz der erste Schreck: ich musste relativ verzweifelt meinen Koffer suchen, die „Migration“ passieren, und mich dabei durch Menschenmassen zwängen, was dazu führte, dass ich den Anschlussflug verpasste. Glücklicherweise verlief das Umbuchen ohne Probleme. Ich nutzte die Zeit, um Geld zu wechseln und hielt das erste Mal „Bolivianos“ in den Händen. Einen Cappuccino und eine unglaublich leckere Zimtschnecke -mein Frühstück- später, ging die Reise weiter und im ziemlich kleinen Flughafen von Sucre war meine über 19 Sunden lange Flugreise endlich beendet.
    In Sucre erwarteten mich eine sehr liebe Gastfamilie, ein 2-wöchiger Sprachkurs im ICBA (Instituto Cultural Boliviano Aleman), andere deutsche Freiwillige, die sich schnell als neue Freunde entpuppten und jede Menge Organisatorisches für Handy und Visum.
    Am 1.9.2018 bestieg ich mittags mit meiner Mitfreiwilligen Chantal aus Trier ein Taxi, welches uns nach Potosí an die Schule „Copacabana“ brachte. Wir wurden herzlich von der Verantwortlichen Schwester Damiana, dem Direktor und der Direktorin empfangen und tranken den ersten Kokatee. Nachdem wir unsere Zimmer begutachtet hatten, gingen wir auch schon hinaus auf die Straße, denn an diesem Tag war ein großer Umzug namens „Chutillos“ in Potosí. Mein Spanisch reichte leider noch nicht aus, um die genaue Bedeutung dieses Umzugs zu erfragen… Jedenfalls beobachteten wir begeistert, in warme Decken eingemummelt und mit dampfendem Tee in den Händen die Tänzer in bunten Kostümen und die, mit der fortschreitenden Dunkelheit, immer spektakuläreren Lichteffekte und Feuerwerke. Am nächsten Morgen überflutete ich mein Zimmer mit dem eiskalten Wasser meiner Dusche, weil ich den Abfluss noch nicht verstand. Chantal und ich frühstückten im Kerzenlicht, denn der Strom war ausgefallen. Der einzige Vorteil dieser Situation war, dass uns der Kühlschrank nicht, wie sonst so oft, beschallen konnte. Den Tag verbrachten wir damit die Stadt zu erkunden und Einkäufe zu tätigen. Um halb 9 begann dann einen Tag später unser erster Arbeitstag. Wir wurden auf einen Balkon gebeten, um uns kurz den Schülern, die auf dem Hof in Reih und Glied standen, vorzustellen. Es sollten noch weitere Vorstellungen im Kindergarten, Sekretariat und im Lehrerzimmer folgen. Von Allen wurden wir sehr sehr herzlich empfangen und willkommen geheißen.